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Ein akut-nozizeptiver Schmerz liegt vor, wenn Nozizeptoren im peripheren Bindegewebe durch eine akute Noxe so gereizt werden, dass die übergeordneten Zentren Schmerz wahrnehmen und entsprechend reagieren. In diesem Fall ist Schmerz ein Warnsignal und funktionell sinnvoll. Die Noxe kann physikalisch oder chemisch einwirken. Anamnestisch und/oder in der Befunderhebung ist am Schmerzort die Noxe identifizierbar. Das therapeutische Vorgehen ist einfach: Falls die Noxe noch vorliegt, wird sie eliminiert. Die Wirkungen der Noxe werden behandelt und/oder der natürlichen Regeneration des biologischen Systems überlassen.

Schmerzmedikamente sollen zur Linderung der Schmerzen unbedingt gegeben werden, damit die Gefahr der Chronifizierung im Sinne neuroplastischer Veränderungen vermieden wird.

Beim chronisch-nozizeptiven Schmerz wird ebenfalls das nozizeptive System im Bindegewebe aktiviert. Diesmal aber nicht nur durch eine einzige akute Noxe an einer bestimmten Stelle, sondern durch viele chronische physikalische und chemische Störfaktoren an vielen Stellen im Körper. Im Laufe des Lebens eines jeden Menschen sammeln sich nämlich vielfältige mechanische, (bio-)chemische, psychische und physiologische/physikalische Belastungen an, die von den Selbstorganisationssystemen nicht ausreguliert werden können und adaptiert bzw. kompensiert werden müssen. Diese Adaptationen und Kompensationen wirken ihrerseits wieder als chronische Belastungen. Es entstehen komplexe Befundmuster von Form- und Funktionsstörungen im ganzen biologischen System „Mensch“. Schließlich ist die Kompensationskapazität irgendeines besonders belasteten Teilsystems erschöpft. Dort entsteht dann als Zeichen der Dekompensation der chronische Schmerz. Anamnestisch und/oder durch Befunderhebung kann am Ort des chronisch-nozizeptiven Schmerzes eine Noxe identifizierbar sein, muss aber nicht. Es kann sich auch um ein reines Dekompensationsphänomen aufgrund chronischer Belastungen handeln, die überall im Körper verteilt sind. Die Behandlung des Schmerzortes bewirkt in diesem Fall lediglich eine kurzfristige Erhöhung seiner Kompensationskapazität.

An der grundlegenden systemischen Belastungssituation ändert sie nichts. Der chronisch-nozizeptive Schmerz wird rezidivieren. 

Eine häufige Form nozizeptiver Schmerzen sind myofasziale Schmerzen. Dies sind Schmerzen, die das Bindegewebe von Haut, Muskeln und Gelenken betreffen:

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