Seite auswählen

Das Phänomen „Schmerz“ begegnet den betroffenen Menschen und uns als Behandler in zwei „Gesichtern“: Zum einen als akuter Schmerz, zum anderen als chronischer Schmerz.

Akuter Schmerz ist Symptom und Warnsignal: Er zeigt uns an, dass an der schmerzenden Stelle etwas nicht in Ordnung ist. Wir finden dort eine akute Entzündung mit den entsprechenden lokalen Form- und Funktionsstörungen. Die auslösende Störung (Noxe) liegt entweder noch vor oder hat kurz vorher eingewirkt und kann anamnestisch erfragt werden. Therapeutisch können wir die Noxe entfernen, ihre Auswirkungen (akute Entzündung) behandeln und die Regeneration unterstützen. Akuter Schmerz ist sinnvoll: Er veranlasst den betroffenen Menschen zur Ruhe und dazu, die passenden Maßnahmen zu unternehmen.

Chronischer Schmerz ist eine eigenständige Erkrankung. Die zugrunde liegenden Noxen (nicht nur eine Noxe!) wirken wiederholt oder dauernd ein. Im betroffenen Gewebe entsteht eine chronische Entzündung mit dauerhaften Form- und Funktionsstörungen. Lokal und zentral kommt es zu neuroplastischen Veränderungen der betroffen Nervengewebe. Neuroplastisch bedeutet, dass sich die Nervengewebe zum Beispiel durch Einlagerung zusätzlicher Ionenkanäle in die Nervenzellmembranen oder durch Bildung neuer Synapsen umstrukturieren, um leichter Schmerz empfinden zu können. Deshalb ist chronischer Schmerz sehr schwierig zu behandeln. Eine Behandlung gelingt nur, wenn sich diese Formveränderungen der Nervengewebe wieder zurückbilden. 

Übrigens: Ein chronischer Schmerz wird heutzutage definiert als ein Schmerz, der über die normal zu erwartende Heilungszeit des betroffenen Gewebes hinausgeht.

No HTML was returned.